Archiv März 2020

Vergebung oder Verzeihung

Gibt es einen Unterschied zwischen Vergeben und Verzeihen? Ja, den gibt es. Diese zwei Begriffe darf man unterschiedlich betrachten. Im Wort Vergebung steckt das Wort geben und das Wort Verzeihen wird auf den veralteten Begriff zeihen zurückgeführt. Zeihen bedeutet bezichtigen, beschuldigen, d.h. man wirft jemandem etwas vor.

Vergeben

Wenn ich jemanden anklage und dies nach einiger Zeit zurücknehme, erlasse ich dieser Person die Schuld und spreche sie frei. Ich gebe demzufolge etwas zurück. In vielen Religionen eine erstrebenswerte Tugend. Dieses Vergeben ist vor allem für mich selbst sehr heilsam. Es tut meiner Seele gut. Im Vergeben gebe ich etwas symbolisch zurück. Jemand hat mir etwas angetan, ich habe eine Wunde. Eine offene Wunde kann sehr schmerzhaft sein. Mit dem Vergeben heilt die Wunde. Es bleibt lediglich eine Narbe zurück. Je besser ich vergeben kann, desto besser verheilt die Wunde und die Narbe kann fast unsichtbar werden.

Wunden

Wie notwendig ist es, dass ich vergebe? Warum soll ich überhaupt vergeben? Gebe ich nicht zurück, trage ich es mit mir herum und das kann oft sehr bedrückend sein. Das Zurückgeben verschafft Erleichterung und bringt Heil in mein Leben.

Verzeihen

Verzeihe ich, ziehe ich meine Beschuldigungen zurück und die Sache ist vom Tisch. Ich vergesse sie vielleicht nicht, hole sie aber keineswegs bei jeder Gelegenheit wieder hervor. Kann ich nicht verzeihen, schade ich mir nur selbst. Hass- und Wutgefühle begleiten mich. Der Schmerz wird immer wieder neu erlebt, wird nicht verarbeitet. Verzeihen ist ein Prozess des Loslassens. Gelingt dies nicht, schleppe ich alte Verletzungen immer mit mir herum. Durch das Verzeihen übernehme ich Eigenverantwortung und lass es nicht zu, dass andere mein Leben beeinflussen. Ich treffe die Entscheidung, mein Lebensgefühl nicht negativ beeinflussen zu lassen. Die Tat selbst wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, aber mein Umgang damit verändert sich.

Entscheidung

Innerer Frieden

In meinen Beratungen, sitzen mir immer wieder Menschen gegenüber, die sich mit ihrer Vergangenheit nicht ausgesöhnt haben. Erkläre ich, dass sich das mitunter oft sehr belastend auswirken kann, bekomme ich manchmal eine sehr aggressive Antwort: „Das belastet mich überhaupt nicht.“ Und im gleichen Atemzug dreht sich das Thema wieder um den alten Groll, der mitgeschleppt wird.

Verletzungen passieren immer wieder, bewusst oder unbewusst. Das kann in beide Richtungen gehen. Ich verletze und werde verletzt. Unbewusste Verletzungen passieren häufiger als man denkt. Was für den einen banal ist, kann für das Gegenüber sehr verletzend sein. Wird diese Verletzung nicht angesprochen, kann es im Unterbewusstsein nagen. Wie kann ich zu innerem Frieden gelangen? Ein klärendes Gespräch kann Frieden bringen. Entschuldigt sich das Gegenüber dann auch noch, kann ich verzeihen. Dieses Verzeihen kann der Schlüssel zum inneren Frieden werden.

Heilung

Oft höre ich die Worte: „Das kann/könnte ich niemals verzeihen“. Und schon ist der innere Krieg vorprogrammiert. Wie sehr man sich damit selbst belastet, wird oftmals übersehen. Trifft man diese Person wieder, oft sind es Familienmitglieder, die man um des lieben Frieden willens nicht darauf anspricht, kann es überkochen. Spricht man es nicht an, lastet es auf den Schultern. Es wird immer und immer wieder hochgeholt. Ein Teufelskreis. Eine gute Medizin die hilft, ist Verzeihen.

Manifestationen

Für den Krieg braucht man ein Gegenüber, für den Frieden kann man alleine sorgen. Wer ist für den inneren Frieden zuständig? Ich lade dich auf ein kleines Experiment ein. Denk an jemanden, an eine bestimmte Situation, in der du sehr verletzt wurdest. Du merkst vielleicht, dass ein ungutes Gefühl aufkommt, ohne dass diese Person anwesend ist. Wer löst nun dieses Gefühl in dir aus? Ich denke, du kannst es schon erahnen.

Versuche nun gedanklich oder auch verbal alles an- und auszusprechen. Teile dieser Person alles mit, was dich bedrückt, was dir weh getan hat, wie du dich fühlst. Mach dies in Ich-Botschaften, klage dein Gegenüber nicht an. Und wenn du das Gefühl hast, genug gesagt zu haben, sag: „Ich verzeihe dir.“ Du kannst auch den Namen der Person dabei aussprechen. Die Person muss dafür nicht anwesend sein, sie kann auch verstorben sein. Beobachte dich dabei, was mit dir geschieht, wie du dich danach fühlst.

Besonders schwer fällt es, sich selbst zu verzeihen. „Fehler“, die ich gemacht habe, Beschuldigungen, die ich immer wieder hervorhole, lasten meist schwer auf den Schultern. Mein Körper zeigt es mir. Es manifestiert sich z.B. in Schulterschmerzen. Welche Last trage ich mit mir herum? Wenn ich mir selbst verzeihe/vergebe, kann ich zwar die Vergangenheit nicht ändern, wohl aber mein Hier und Jetzt und meine Zukunft.

Belastung

Frieden

Nach dem Verzeihen kommt das Vergeben. Nach und nach werde ich meine Last los. Dinge, die geschehen sind, bleiben für immer unwiderruflich, sie gehören zu meiner Geschichte, belasten mich aber nicht mehr. Vergebung ist ein Weg zur Freiheit, ein Akt der Stärke. Ich fühle mich freier und im wahrsten Sinn des Wortes erleichtert. Und irgendwann kann ich auch von Herzen sagen, dass ich vergeben habe. Der Weg zu meinem zu meinem innerem Frieden wird so geebnet.

Frieden